Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz - Feuerwehr Markt Schöllkrippen Teil des Hilfeleistungskontingents Bayern

Nach einem Hilfeersuchen des Rheinland-Pfälzischen Innenministeriums wurde durch das Bayerische Innenministerium bzw. die Regierung von Unterfranken das Hilfeleistungskontingent Hochwasser/Pumpen, welches vom Landkreis Aschaffenburg und der Stadt Aschaffenburg gestellt wird, alarmiert.

Am Montag, 19.07.2021, wurde um 19:55 Alarm für die Feuerwehr Markt Schöllkrippen ausgelöst. Der in Schöllkrippen stationierte Gerätewagen Logistik 1 „UNIMOG“ wurde zusätzlich mit leistungsstarken Pumpen, Stromerzeuger, Wathosen und Gummistiefeln beladen. Zusätzlich wurde das Flachwasserschubboot gepackt und mit zwei weiteren der Feuerwehren Hösbach und Heimbuchenthal auf einem Trailer verlastet und angehängt. 

Tag 1 - Dienstag 20.07.2021

Um 06:30 Uhr war Treffpunkt für alle Fahrzeuge des Kontingents an der Autobahnmeisterei Hösbach. Nach einer Einweisung durch den Kontingentführer Kreisbrandinspektor Frank Wissel sowie Ansprachen und besten Wünschen von Landrat Dr. Alexander Legler und Oberbürgermeister Jürgen Herzing, machten sich die insgesamt 186 Einsatzkräfte mit 50 Fahrzeugen auf in Richtung Nürburgring in Rheinland-Pfalz.

Noch auf der Anfahrt wurde das geplante Ziel durch das Vorauskommando geändert. Als Basis für das Hilfeleistungskontingent wurde ein stillgelegter Fliegerhorst der Bundeswehr in Mending ausgesucht. Drei leerstehende Kasernengebäude sollten die Unterkunft für die Kontingente aus Landkreis und Stadt Aschaffenburg, dem Landkreis Miltenberg und dem Landkreis Bayreuth sein.

Hier machte sich die Aufstellung des Kontingents als autarke Einheit bezahlt. Die Versorgungskomponente bekochte bis zu 450 Einsatzkräfte (inkl. der Einsatzkräfte aus dem Landkreis Miltenberg und Bayreuth) selbst, versorgte die Unterkunft mit Strom und Licht und hatte für alle ein Feldbett mit Decke bereit.

Nach einem Mittagessen wurde das Fahrzeug aus Schöllkrippen, zusammen mit einem Versorgungs-PKW aus Stockstadt sowie den Rüstfahrzeugen aus Königshofen und Waldaschaff nach Altenahr entsandt. Für den Rüstzug gab es dort allerdings keine Tätigkeit, sodass die Rückfahrt in die Unterkunft angetreten werden konnte.

Für die nächsten Tage wurde durch die Kontingentführung ein neuer Rüstzug, bestehend aus dem  Versorgungs-PKW der Feuerwehr Stockstadt, dem Gerätewagen Logistik UNIMOG der Feuerwehr Markt Schöllkrippen sowie einem Mannschaftstransportfahrzeug der Feuerwehr Karlstein gebildet. Ergänzt wurde dieses je nach Einsatzlage durch die Rüstwagen der Feuerwehr Waldaschaff und Feuerwehr Königshofen.

Tag 2 - Mittwoch, 21.07.2021

Durch die Einsatzleitung wurde dem Kontingent zwei Straßenzüge in Bad Neuenahr-Ahrweiler als Einsatzgebiet zugeteilt. Bereits auf der Anfahrt haben die Einsatzkräfte einen Eindruck von der enormen Zerstörung, die durch die Flut angerichtet wurde, bekommen. Zerborstene Scheiben, mit Wasser und Schlamm vollgelaufene Keller, Fahrzeuge in Vorgärten, umgeworfene Tanklastzüge, und Unmengen von Schlamm und Müll auf den Straßen. 

Der erste Auftrag bestand im Auspumpen eines Kellers eines Mehrfamilienhauses. Dieser wurde zuächst mit Wasser geflutet, um den Schlamm zu verdünnen. Zur Reinigung der Räume durch Abstrahlen mit Wasser, wurde Wasser aus der Ahr entnommen und mittels Schlauchleitung zur Einsatzstelle transportiert. Dies war nötig, weil auch die Wasserversorgung der Stadt den Fluten zum Opfer gefallen war. Mit leistungsstarken Hochwasser-/Schmutzpumpen wurde dieses wieder abgepumpt.

Nachdem diese Einsatzstelle abgearbeitet war, erreichte ein Hilfeersuchen der Bundeswehr den Rüstzug. Die Einsatzkräfte aus Stockstadt, Karlstein und Schöllkrippen unterstützten beim Leerpumpen von größeren Kellerräumen der Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Realschule plus in Ahrweiler. Mit einer Leistung von 5.000 Litern/Minute der mitgeführten Pumpen aus Schöllkrippen wurde der Wasserstand stark abgesenkt. Diese Arbeiten zogen sich bis 17 Uhr hin. Die Rückfahrt zur Unterkunft führte über das Gerätehaus der Feuerwehr Mending. Hier konnten die Pumpen gespült und die Fahrzeuge und Gerätschaften gereinigt werden.

Tag 3 - Donnerstag, 22.07.2021

Nach dem Frühstück wurde die Einsatzstelle des Vortags angefahren. Zusammen mit dem Rüstwagen der Feuerwehr Waldaschaff wurde der Wasserpegel über den Tag hin auf ein begehbares Niveau gesenkt. Statiker konnten das Gebäude anschließend begehen und prüfen. Durch die eingesetzten Pumpen konnte eine Leistung von über 10.000 Liter pro Minute erreicht werden. Um das Kanalnetz nicht zu belasten, wurden zuvor 500 Meter Schlauchleitung zur Ahr gelegt.

Auch die Bundeswehr wurde unterstützt. Mit einer Kettensäge wurden Bäume hinter der Realschule umgelegt. Hierdurch konnte der Abriss eines Zaunes mit einem Fuchs-Transportpanzer erleichtert werden.

Tag 4 - Freitag, 23.07.2021

Der Rüstzug erhielt einen neuen Einsatzauftrag. Zunächst wurden die Räumlichkeiten eines Gewerbebetriebs leergepumpt, bevor es anschließend zu einer weiteren Schule ging.

Um sich Zugangsmöglichkeiten zum Keller der Schule zu verschaffen, wurden angespülte Trümmerteile beseitigt, danach wurde der Keller leer gepumpt sowie der Schlamm mit Schaufeln und Eimern nach draußen befördert. Dies war auch der letzte Einsatz in Ahrweiler. 

Anschließend wurde das Gerätehaus der Feuerwehr Mending angefahren, um die Gerätschaften und Fahrzeuge grob zu reinigen.

Tag 5 - Samstag, 24.07.2021

Nach gemeinsamen Frühstück wurde die Unterkunft geräumt und die Versorungskomponente beim Zusammenpacken unterstützt. Um 10 Uhr setzte sich das Kontingent in Bewegung. Ziel war das Volksfestplatz in Aschaffenburg.

Gegen 13.30 Uhr erreichten die 186 Einsatzkräfte und 50 Fahrzeuge schließlich ihr Ziel. Dort haben sie sich einem Corona Schnelltest und einem Corona PCR-Test unterzogen. Die Schnelltests fielen negativ aus.

Kontingentführer Kreisbrandinspektor Frank Wissel dankte allen Helfern in seiner Abschlussansprache für den Einsatz im Katastrophengebiet im Landkreis Ahrweiler. Landrat Dr. Alexander Legler hieß alle Einsatzkräfte herzlich Willkommen zu hause. „Ihr habt Großartiges geleistet, dass euch die Menschen in Ahrweiler nicht vergessen werden“, so der Landrat. Er überreichte allen Helfern als kleines Dankeschön ein „Flut-Brot“, von dessen Erlös je ein Euro als Hilfe an die von der Flutkatastrophe betroffenen Bäckereien gespendet wird.

[Text: lg / Bilder: lg, Kreisfeuerwehr Aschaffenburg]


Video von der Rückkehr mit Ansprache des Kontingentleiters KBI Frank Wissel, Landrat Dr. Alexander Legler und Stadtbrandrat Mark Weigandt

Facebook: https://fb.watch/v/Oq7A4a0q/


 


Einsatzart Technische Hilfeleistung
Alarmierung Funkmeldeempfänger
Einsatzstart 19. Juli 2021 19:56
Mannschaftstärke 3
Einsatzdauer 118:00
Fahrzeuge Gerätewagen Nachschub - UNIMOG
Flachwasserschubboot
Alarmierte Einheiten Hilfeleistungskontingent Hochwasser/Pumpen Landkreis u. Stadt Aschaffenburg